Etwa die Hälfte der Dozentinnen und Dozenten in der betrieblichen Bildungsarbeit, so schätzen Branchenvertrer, erwerben ihre Lehr-Kompetenz zuvorderst durch Learning-by-Doing, informelle Lernerfahrungen oder punktuelle Weiterbildung. Vor allem unter Fachexperten und Führungskräften, die mit mehr oder weniger umfangreicher Berufserfahrung eine neue berufliche (Lehr-)Tätigkeit suchen, dominiert bisweilen der Glaube, mit einem gewissen Set an didaktischen Techniken im Trainerberuf gut bestehen zu können. Den Rest würden die Authentizität, Berufs- und Lebenserfahrung garantieren.

Jedoch: Die Tätigkeit des Trainers wird immer anspruchsvoller. Die Anforderungen und Erwartungen aus Betrieben und Akademien sind spürbar gestiegen. Personalentwickler suchen für ihre Programme bzw. Projekte nach professionellen Fachkräften, die nicht nur Kompetenzen in Didaktik, Gruppenmoderation und Konfliktmanagement mitbringen, sondern auch versiert sind im Einsatz internetgestützter und arbeitsplatznaher Lernkonzepte, bei der Bedarfsanalyse und der Lerntransfersicherung usw.

Qualifikationsstandards oder etablierte Kompetenzprofile für Trainer in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung sind bislang kaum erkennbar, obgleich verschiedene Anbieter mit entsprechenden Trainerqualifizierungen auf diesen Bedarf reagieren. Jürgen Graf von managerSeminare verfolgt regelmäßig den Markt von Trainer-Weiterbildungen. In seiner Anbieteranalyse 2007 (Übersicht; Volltext) stellte er 27 Train-the-Trainer-Qualifizierungen vor und fokussiert dabei insbesondere die Teilnahmevoraussetzungen, inhaltlichen Schwerpunkte und Lehrmethoden. In Zuge seiner Auswertung aus dem Jahr 2012 diagnostizierte er, dass eine klare Rollentrennung zwischen Trainer, Prozessbegleiter, Organisationsentwickler, Coach oder Mentor schwieriger wird. Die Arbeit wird immer weniger im Seminarraum erbracht, erwartet werden zusätzlich diagnostische Analysen im Vorfeld und Unterstützungleistungen im Nachfeld. Die Trends zu Blended-Learning-Programmen und Mobile Learning forcieren diese Entwicklung (vgl. Beitrag „Der Weg zum Trainer – mehr als Learning by Doing“ in: Jahrbuch der Management-Weiterbildung 2012).

Eine weitere, interessante Analyse von Train-the-Trainer-Qualifizierungen haben ganz aktuell Susanne Wißhak und Sabine Hochholdinger in der Zeitschrift für Weiterbildungsforschung – Report publiziert („‚Zaubern‘ lernen – Welche pädagogischen Inhalte umfassen sogenannte Trainerausbildungen?“ – hier im Open Access). Die Wirtschaftspädagoginnen von der Universität Konstanz interessierte, welche vor allem pädagogischen Inhalte in den Programmen von Trainerausbildungen vorgesehen sind. Aus den Programmbeschreibungen von insgesamt 47 Anbietern berechneten sie 56 Kategorien, die nochmals in sechs übergeordnete Bereiche geclustert werden (Wissen über die Gestaltung von Lernsettings; Fertigkeiten zur Gestaltung von Lernsettings; persönliche Fertigkeiten; sonstige persönliche Voraussetzungen; Gruppenmanagement, Andere Funktionen in Organisationen). Dabei zeichnet sich ab, dass nach wie vor Inhalte zur methodischen Gestaltung, zu Gruppendynamik und Kommunikationsprozessen dominieren. Weitergehende Trainer-Kompetenzen werden in Trainingsinhalten zu Transferorientierung und Evaluation sichtbar; spezifische Kompetenzen wie Konfliktmanagement oder Leadership bündeln die Autorinnen in der letztgenannten Kategorie.

Für Personalentwickler und Bildungspraktiker hält die wissenschaftliche Publikation zwei Impulse zur Umsetzung bereit:

  • Das entwickelte Kategoriensystem gibt hilfreiche Anregungen bei der Bewertung bzw. Auswahl von Train-the-Trainer-Qualifizierungen. Auch zur individuellen Weiterbildung von erfahrenen Trainern können hieraus Inhalte zur Vertiefung, Wiederholung oder Spezialisierung generiert werden.
  • Für Unternehmen oder Akademien, die eine weitere Professionalisierung ihrer Trainerqualifizierungen anstreben, bietet die Studie mit ihren Rückbezug auf die Forschungslage zum Thema „Trainer in der betrieblichen Bildung“ vielfältige Argumentationen.

Die Suche nach einem tragfähigen, anerkannten Kompetenzprofil für Trainer ist damit gewiss noch nicht erschöpfend abgeschlossen. Möglicherweise sind dauerhaft ganz unterschiedliche Typen von Trainerausbildungen notwendig, um auf die enorme Bandbreite der Erwartungen an Trainer und die Spezifika in den unterschiedlichen Wirtschaftsbranchen mit spezialisierten Qualifizierungen zu reagieren.

Kompetenzprofile
Bild: B@rberousse / flickr.com / CreativeCommons

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