Feedback im Training – auch wenn die Zeit knapp ist

Vor kurzem saß ich über der Vorbereitung eines Rhetorik-Bausteins. Aufgrund externer Bedingungen musste ich die Einheit – es war nur ein Tag vorgesehen – mit einer größeren Anzahl von Teilnehmern durchführen, als ich das normalerweise mache. So war bald klar, dass das übliche Video-Feedback nach den Übungseinheiten der Teilnehmenden wegfallen musste. Und auch für ein ausführliches verbales Feedback würde ich dieses Mal keine Zeit haben. Ich wollte aber auf das praktische Ausprobieren und auf Feedback dazu nicht verzichten.

Gesucht war also eine Form des Feedbacks, die kurz und bündig erfolgen kann, aber dennoch alle wichtigen Informationen umfasst. Ich entscheide mich deswegen für ein „Blitz-Feedback“.

Das Blitzlicht ist eine Aktionsform, die in der Regel eingesetzt wird um Rückmeldungen über Befindlichkeiten, Wünsche, Emotionen oder Eindrücke der Teilnehmer zu erhalten, also zum Beispiel im Anschluss an eine Diskussion, in der ein akuter Konflikt besprochen wurde. Es lässt sich jedoch auch einsetzen, um kurze und knackige Feedback-Runden an Teilnehmer zu organisieren.

Blitz-Feedback: So wird’s gemacht:

Vorbereitung

  • Bereiten Sie Moderationskarten vor, auf denen je ein Stichwort/ein Kriterium genannt wird, auf das bei dem Beitrag, der Übung o.ä. geachtet werden soll. Wenn z.B. in einem Rhetorik-Seminar Feedback zu Rede-Beiträgen der Teilnehmenden gegeben werden soll, könnte es Karten mit folgenden Stichworten geben: Stand, Körperhaltung, Kontakt zum Publikum, verständliche Sprache usw.
  • Diese Begriffe sollten möglichst 1:1 mit den vorher bearbeiteten Inhalten übereinstimmen. Auf einer Karte steht „Joker“ oder ist das entsprechende Spielkartenmotiv abgebildet – oder Sie verwenden gleich eine Spielkarte.
  • Die Zahl der Karten sollte möglichst mit der Zahl der Teilnehmenden übereinstimmen; ggf. halten Sie 2-3 Joker-Karten in Reserve bereit.
  • Wenn Sie die Einheit häufig lehren, kann es sich lohnen, statt der Moderationskarten laminierte Karteikarten zu verwenden.
  • Bereiten Sie für sich selbst ggf. Feedbackbögen vor, auf denen alle Kriterien enthalten sind (+ 2-3 freie Zeilen). So können Sie ggf. das Feedback der Teilnehmenden mitprotokollieren und später dem TN, der den Beitrag leistete, geben. Achtung: Die Gruppe im Auge zu behalten und gleichzeitig das Feedback zu protokollieren ist anspruchsvoll. Sie sollten dies nur machen, wenn Sie sehr routiniert sind.

Durchführung

  • Erläutern Sie kurz das Vorgehen und begründen Sie, warum Sie diese Form des Feedbacks wählen, z.B.: „Wir haben nicht sehr viel Zeit, aber mir ist wichtig, dass jede(r) von Ihnen bei der Übung an die Reihe kommt und Feedback erhält. Deswegen machen wir kurze, knackige und strukturierte Feedback-Runden“.
  • Stellen Sie ggf. Feedback-Regeln vor.
  • Geben Sie den Karten-Satz aus. Jeder Teilnehmende erhält also eine Karte mit einem bestimmten Aspekt, einem Kriterium, auf das er oder sie achten und zu dem er später Feedback geben soll. Weisen Sie darauf hin, dass das Feedback sehr kurz sein und möglichst in einem oder zwei Sätzen gegeben werden soll.
  • TN mit einer Joker-Karte können frei beobachten und anschließend auch frei Feedback geben. Meist werden dabei ergänzende Beobachtungen genannt, sehr wichtige Aspekte noch einmal hervorgehoben oder ein persönlicher Eindruck wider gegeben. Das Feedback der Joker rundet das Gesamtbild ab.
  • Lassen Sie den ersten Teilnehmenden seinen Übungsversuch machen bzw. seinen Beitrag leisten.
  • Führen Sie anschließend die Feedback-Runde durch.
  • Sie selbst können als letzter Feedback geben und dabei als ein weiterer „Joker“ agieren.
  • Geben Sie ggf. nach dem ersten Durchgang (und bei Bedarf auch später) „Feedback zum Feedback“.
  • Bevor der nächste Teilnehmende mit seinem Beitrag an der Reihe ist, werden die Karten mit den Beobachtungs-/Feedback-Kriterien weitergegeben. Die Teilnehmenden achten also bei jeder Runde auf ein anderes Kriterium.

Feedback ist ein zentrales Moment in jedem Lernprozess. Deshalb sollten Gelegenheiten, Feedback zu erhalten, nach Möglichkeit in jedem Seminar angeboten werden. Dort, wo es um Verhaltenslernen geht, wo neues Verhalten erprobt und geübt werden soll, ist Feedback jedoch unabdingbar: Wer etwas Neues ausprobiert, sein Verhalten ändert, erhält durch Rückmeldungen die entscheidenden Informationen, ob sein Versuch gelungen ist.

Bevor Sie also auf Feedback verzichten, sollten Sie eher auf zusätzlichen Input verzichten. Und mit dem Blitz-Feedback steht eine zeitsparende Variante zur Verfügung. Auch wenn diese Feedback-Runden kurz sind, so sind sie dennoch sehr informativ. Die knappe Zeit zwingt zur Konzentration. So kommen die Teilnehmenden in ihren Rückmeldungen schneller auf den Punkt und formulieren präziser, Wiederholungen werden vermieden.

 

 

 

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