Manche Trainer machen es gar nicht (und das ist fahrlässig),
besonders gründliche Dozenten verschicken Fragebögen vorab (und das bedeutet viel Aufwand),
viele Lehrende verweben sie mit der Vorstellungsrunde (und diese werden dann gerne mal sehr langatmig) – die Erwartungsabfrage.

Am Dienstag hatte ich ein Seminar, bei dem viele der klassischen Methoden der Erwartungsabfrage (Kartenabfrage, Erwartungsinventar, Partnerinterview, Einbettung in Vorstellungsrunde,..) nicht angebracht erschienen: die Gruppe kannte sich und wir hatten nur einen Tag Zeit um eine Fülle von Inhalten in den Fokus zu nehmen.

In Fällen wie diesen greife ich gerne zu einer Methodik, die ich „Kartenrennen“ tituliert habe. Die möglichen Inhalte schreibe ich auf Karten und pinne diese linksbündig an einer Pinnwand an. Nach der Begrüßung stelle ich die Themen kurz vor und frage dann die Teilnehmer einzeln,  welche zwei bis drei Themen aus dieser Auswahl besonders relevant wirken.

Wird ein Thema genannt, dann hänge ich die Karte um eine halbe Kartenlänge nach rechts. So entsteht ein Wunsch-Profil für die inhaltliche Gewichtung.

Dieses Verfahren hat einige Vorteile:

  • Die Agenda entsteht so auf eine dynamische Art und Weise und wird aktiv durch die Teilnehmer beeinflusst
  • Über die Rückfrage, warum ein Thema wichtig ist kann man schnell Anknüpfungspunkte an die Praxis der Teilnehmer identifizieren.
  • Der Aufwand für die Vorbereitung ist überschaubar.
  • Die Methode erfordert keine Erklärung, sondern leuchtet den Teilnehmern in der Regel sofort ein.

Allerdings muss man die Bereitschaft mitbringen seinen Plan nicht starr durchzuziehen. Wer einem strikten Fahrplan folgen möchte, der ist mit einer solchen Methode natürlich falsch unterwegs.

Und natürlich ist man mit dem Kartenrennen nicht auf den Einstieg festgelegt. Genauso kann man den Arbeitsstil abfragen (Frage: Welche Vorgehensweise/Methodik finden Sie angebracht? Karten: Rollenspiel, Vortrag, Spiele,Gruppendiskussion,..), eine Zwischen- oder Abschluss-Evaluation vornehmen (Frage: Was war bisher besonders gut/positiv im Seminar? Karten: Tempo, Pausen, Vortragsstil, Inhalt 1, Inhalt 2, Inhalt 3,…)  oder Inhalte bearbeiten (Frage: Welche Eigenschaften schätzen Sie für die Projektarbeit als besonders wichtig ein? Karten: sich klar ausdrücken können, moderieren können, Fachexperte sein, zuhören können,…).

4 Comments

  1. Schöne Idee!
    Aber wie bist Du weitreichende vorgegangen?
    Die Karten/Themen die weiter nach rechts gerückt sind wurden dann intensiver von Dir behandelt oder trainiert?

    • Genau. Neben der inhaltlichen Schwerpunktsetzung (Themen die weiter rechts stehen werden „prominenter“ behandelt) ist das Kartenrennen vor allem auch eine gute Möglichkeit um überhaupt erstmal ins Gespräch über die Inhalte, über Vorerfahrungen und Erwartungen zu kommen. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn man auch flexibel reagieren kann. Bei einem linear durchgeplanten Training mache ich das natürlich nicht. In Kürze werde ich hier eine ähnliche Methode vorstellen! So viel verrate ich schon: es geht nach MoSCoW!

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