7 VIPs

Seminartage sind lang und in der Regel passiert an so einem Tag sehr viel: Der Trainer vermittelt Infos, Teilnehmende berichten von Erfahrungen, neue Ideen und Lösungen für Praxisprobleme werden gemeinsam entwickelt und, und, und… Wie viel davon können die Teilnehmenden tatsächlich behalten – und wie viel wird absehbar verloren gehen?

„Seven VIPs“ interpretiert das bekannte Akronym als „Very Important Points“ neu und ist eine besondere Form am Ende eines Seminartages (oder ggf. auch einer Seminareinheit) das Allerwichtigste noch einmal in sieben knappen und knackigen Aussagen zusammen zu fassen. Dabei sollte  diese Zusammenfassung nicht nur die vom Kursleiter eingebrachten Inhalte berücksichtigen, sondern auch das einbeziehen, was von den Teilnehmenden an Erfahrungen, Berichten, Eindrücken und Feedbacks eingebracht wurde, also z.B. auch die Ergebnisse einzelner Arbeitsgruppen etc. Es geht also nicht darum, aus Präsentationen noch einmal Folien zu zeigen o.ä., sondern tatsächlich den ganzen Tag zu rekapitulieren und das besonders (Be)merkenswerte „heraus zu picken“. Die 7 VIPs müssen also tatsächlich „live und jetzt“ am Ende des Tages entwickelt werden. Natürlich kann man schon vorher Ausschau nach geeigneten Punkten halten.

Die Zahl sieben ist nicht willkürlich gegriffen. Unser Gedächtnis kann maximal etwa sieben Sinneinheiten auf einmal erfassen und verarbeiten. Deswegen erleichtert die Beschränkung auf sieben sehr das erinnern der VIPs.

Varianten

Es gibt verschiede Möglichkeiten, zu diesen „7 VIPs“ zu kommen:

  • Sie können es selbst machen und ihr persönlichen Highlights sammeln und der Gruppe am Ende mitgeben.
  • Sie können die 7 Punkte gemeinsam mit den Teilnehmenden ermitteln.
  • Eine Gruppe von TN erhält den Auftrag, ihre VIPs zusammen zustellen. Am nächsten Tag kommen andere daran.
  • Im Teamteaching kann der Trainer, der den weniger aktiven Part gespielt hat – quasi aus dem off – seine Punkte nennen.
  • Jeder TN schreibt in Einzelarbeit seine 7 VIPs auf, am Ende sammelt man einige gemeinsame Punkte und hält sie auf einem Flip fest.
  • Wo es um handfeste Tipps geht, können die „7 VIPs“ auch einmal zu „7 VITs“ mutieren…

 

7vips_2Ein Praxisbeispiel

In einer Einheit „Presenting in English“ (für eine deutsche Seminargruppe) hatten wir den ganzen Tag eine Vielzahl von Aspekten behandelt und in kleinen Übungseinheiten praktisch geübt. Mein Flipchart-Set zu dieser Einheit – das die Teilnehmer später als Fotoprotokoll erhalten sollten – umfasste etwa 35 Flips – eine ganz schöne Menge.

Am Ende des Tages erklärte ich den Teilnehmenden, was es mit den „7 VIPs“ auf sich hat. Dann bat ich sie, zunächst einmal jeder für sich, das eine Highlight heraus zu suchen:

„If you replay this day in your memory: What was the Most Important Point for you? What do you definitely want to keep in mind for your next presentation in English?“

Anschließend ließ ich mir von der Gruppe diese Punkte zurufen und hielt sie, als kurze und knackige Tipps formuliert, auf einem Flipchart fest.

Ulrich Müller

Ulrich Müller

Ulrich Müller studierte Erziehungswissenschaften an den Universitäten Augsburg und Eichstätt und ist seit 1984 als Berater, Trainer und Coach in der Weiterbildung tätig. Seit 2003 lehrt er Bildungsmanagement an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, wo er das Institut für Bildungsmanagement und den gleichnamigen Masterstudiengang Bildungsmanagement aufbaute. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Didaktisches Design, Train-the-Trainer und Führungskräfte-entwicklung. Ulrich Müllers besondere Leidenschaft gilt der Entwicklung von inspirierenden und aktivierenden Lernumgebungen: „Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln“ (Erich Kästner).

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