Zeit sparen mit methoden-Kartothek III: Improvisationsrahmen

Auch in meinen Seminaren an der Hochschule, die wöchentlich stattfinden, lege ich Wert auf eine gute Planung. Vor dem Semester mache ich meinen Rahmenplan, lege die einzelnen Termine für das Seminar an, und verteile grob die Themen auf diese Termine. In der Vorbereitung der einzelnen Sitzung mache ich dann meinen Detailplan.

Ein guter Start ist mir besonders wichtig (vgl. “ZEN oder die Kunst ein Seminar zu beginnen“). Deswegen sind die ersten Sitzungen zu Beginn des Semesters sehr gut und gründlich geplant. Mit einem gelungenen Auftakt will ich Maßstäbe setzen und die Lernkultur des Seminars prägen.

Später im Semester, wenn einerseits die Gruppe bereits gut läuft, andererseits meine Arbeitsbelastung am Anschlag ist, kommt es dann schon mal vor, dass ich für die Vorbereitung einer Sitzung nur wenig Zeit habe. Meine Planung beschränkt sich dann manchmal auf das, was ich einen „Improvisationsrahmen“ nenne. Die Idee ist dem Jazz entlehnt: Im Jazz gibt es viele sogenannte „Standards“, das ist ein Thema (= Melodie) + eine Akkordfolge dazu. Diese beiden Elemente sind das Material, mit dem eine Gruppe von Musikern gemeinsam improvisieren kann.

Jazz-Beispiel

Mein Improvisationsrahmen besteht aus meinem Thema und einer groben methodischen Grundstruktur, innerhalb derer ich dann improvisiere. Ich weiß, dass ich mit einer Gruppe, die ich schon für unser gemeinsames Thema (und für mich als Seminarleiter) gewonnen habe, gut improvisieren kann. Oft fallen mir dabei sogar die besten neuen methodischen Ideen ein.

Die methodische Grundstruktur meines Improvisationsrahmens ist sehr einfach, sie besteht im Wesentlichen aus vier Abschnitten zu den vier Lernphasen und sieht etwa so aus:

Einsteigen: ein „Standard-Anfang“, z.B.:

  • Begrüßung
  • „Das haben wir in der letzten Sitzung gemacht: ..“
  • „Heute geht es mit … weiter…“
  • „Dazu werden wir …“
  • „Ich wünsche uns eine spannende Sitzung mit wertvollen Lernerfahrungen!“

Erarbeiten:

  • Ein Input-Baustein, bestehend auch einem Material für den Inhalt (z.B. Praxisbeispiel, Geschichte, Präsentation, Text, Video/Film …) und entsprechenden Aktionsformen (z.B. Demonstration, Erzählen, Film/Video zeigen, Impulsmethode, Texte lesen, Vortrag…).
  • Manchmal vorgeschaltet: ein Baustein, in dem ich Fragen, Probleme/Erfahrungen/Beispiele der Teilnehmenden sammle (z.B. Kartenabfrage, Rundgespräch, Zurufabfrage …).

Integrieren:

  • Aktivierende Weiterarbeit mit den Inhalten (z.B.  Aquarium, Diskussion, Fallbesprechung, Kugellager, Mindmapping, Lernkarten, Pro und Contra, Rundgespräch, Texte schreiben, Übung, Wandzeitung…)

Auswerten:

  • Das muss nicht in jeder Sitzung sein, aber wo es sich anbietet, mache ich ein kurzes Blitzlicht oder ein Rundgespräch, sammle Feedbacks auf Moderationskarten ein: „Was war für mich das wichtigste heute…“ oder mache ein „Ampelabfrage“ mit grünen, gelben, roten Moderationskarten.

Seminare halten auf der Grundlage eines Improvisationsrahmens ist immer mit einem gewissen Risiko verbunden und kann auch schief gehen. Deswegen gerate ich dabei etwas unter Stress – häufig die beste Voraussetzung für eine gelingende Seminarsitzung! Und oft genug laufe ich bei meiner „Jazz-Didaktik“ zur Hochform auf und es gelingt mir ein Highlight, das ich mit langer Planung womöglich nicht erreicht hätte.

Hier können Sie gleich weiterlesen: Jazz-Didaktik.

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