Virtuell trainieren, online präsentieren – hilfreiche Tipps aus der Praxis

In meinen Train-the-Trainer-Seminaren und Präsentationstrainings wird immer wieder auch „Online präsentieren“ oder „Training im virtuellen Raum“ gewünscht. Nur zu verständlich, denn das direkte Präsentieren eines Inhalts vor einer physisch im selben Raum anwesenden Gruppe ist zwar immer noch häufig, wird aber zunehmend durch Online Sessions in Google Hangouts, Skype/MS Teams, webex, Adobe Connect oder sonstiger Produkte ergänzt oder ersetzt. Auch ich bringe meine Trainings im zunehmenden Maß online aus. Dabei sind die Tools in den letzten Jahren „gereift“ – die trotzdem finden die wenigsten Menschen Online-Präsentationen sind mitreißend oder gar begeisternd.

Erstaunlich ist , dass „Präsentieren“ und „Vermitteln“ eine häufig geforderte und oft auch gut ausgebildete Kompetenz ist. Präsentationen heute sind oft sehr unterhaltsam und mit vielfältiger, dialogischer Interaktion gewürzt. Im virtuellen Raum geht das aber oft völlig verloren.



Die Sollbruchstellen von Online-Sessions sind der fehlende Blickkontakt und der Umstand, dass man nicht über körpersprachlichen Signalen darauf schließen kann, dass etwas verstanden oder auch nicht verstanden wurde. Wie auch – zumeist spricht der Vortragende bei Online-Präsentationen lediglich in seinem Laptop. Verständnishürden auf der anderen Seite lassen sich nur antizipieren. Dieses fehlende körpersprachliche Feedback sorgt dafür, dass Vortragende sich häufig sehr unsicher fühlen und in der Folge häufig zu viel reden – denn Pausen erhöhen das unangenehme Gefühl häufig noch. .

Und für die Zuhörer sind Online-Präsentationen nicht minder anstrengend: man muss sich aktiv bemerkbar machen, wenn etwas zu schnell geht oder unverständlich bleibt. Noch dazu sitzt man vor seinem Computer und hat vielfältige Möglichkeiten sich neben der laufenden Präsentation parallel mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Die nachfolgenden Hinweise versuche ich bei meinen eigenen Online-Trainings und-Präsentationen umzusetzen.

Die Startsequenz ist bei Online-Sessions besonders bedeutsam. Ich nutze in der Regel ein Rätsel oder eine Einschätzungsfrage, die für alle sichtbar ist, die den virtuellen Raum betreten. Antworten dürfen in den Chat geschrieben werden, nach dem pünktlichen Start und der Begrüßung greife ich die Frage und vorliegende Antworten auf und gebe die korrekte Antwort preis. Durch diesen sanften Start werden auch die „Späteinlogger“ noch mitgenommen.

Und dann heißt es: „Versuche den Verlust an körpersprachlicher Präsenz auszugleichen“. Dies kann ganz unmittelbar passieren, indem ich mich zeige und die Webcam (zumindest phasenweise) aktiviere. Das klappt leider nicht in allen Tools.

Ich habe schon häufig Präsentationen erlebt, die zu „Powerpoint mit Tonspur“ verkommen sind. Gerade wenn nur die Stimme als Ausdrucksmittel zur Verfügung steht, dann darf man gerne etwas dicker auftragen, d.h. stärkere Betonungen, viel Modulation und keine Angst vor Sprechpausen.

Die Möglichkeiten der Interaktion sind in virtuellen Settings in der Regel überschaubar und können beispielsweise kaum mit Präsenz-Trainings mithalten. Aber natürlich lässt sich auch im virtuellen Kontext Interaktion herstellen: in kleinen Runden kann man direkte Kommunikationskanäle öffnen und richtig diskutieren, bei großer Teilnehmerzahlen ist dies eher schlecht möglich. Hier bietet es sich an mit Abstimmungen, Einschätzungsfragen oder ganz einfach dem virtuellen „Hand heben“ zu arbeiten. Wie oft? Sehr oft!

Diese Art der Teilnehmeraktivierung ist in der Regel einfach einzusetzen. Anspruchsvoller finde ich es, wenn man direkt und unmittelbar noch die Diskussion in einem Chat-Fenster anregt und auswertet oder ich versuche direkt live auf einem virtuellen Whiteboard einen Gedanken zeichnerisch zu entwickeln.

Aber selbst wenn einen fragenden Stil pflegt, stimmlich für Abwechslung sorgt und man viel Interaktivität einbaut: nicht immer wird man alle Teilnehmer „mitnehmen“ können. Deshalb versuche ich immer weider „Plateaus“ einzubauen, auf denen auch Abgehängte den inhaltlichen Anschluss an die Gruppe finden können. Solche Plateaus können Wiederholungen sein oder der zusammenfassende (Zwischen-)Blick auf die Agenda.

Viel Erfolg bei deinen Online-Sessions! Wenn du weitere Tipps oder Anmerkungen hast, dann immer her damit!

Jan-Torsten Kohrs

Jan-Torsten Kohrs

Seit 1999 sammelt Jan-Torsten Kohrs Erfahrung in vielfältigen Weiterbildungsprojekten – in der Industrie, bei Banken und an Hochschulen. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Projekt-/Changemanagement und Soft Skills. Die besondere Leidenschaft gilt der Aus- und Weiterbildung von Trainern und der Workshop-Moderation.

3 Comments

  1. sehr schöner artikel, aus dem ich einige tipps mitnehme. hast du eine empfehlung, welche software die aus deiner sicht beste ist? ich bevorzuge adobe im hochschulbereich aber mit der lizenz ist das für andere kunden schwierig…

    1. Die verschiedenen Firmen für die ich tätig bin setzen leider alle auf unterschiedliche Lösungen. Und da muss man sich immer neu einarbeiten und -denken. Deshalb bevorzuge ich die „schlichten“ und schnell erfassbaren Lösungen wie Skype/Lync oder Hangouts, auch wenn diese nicht so viele Möglichkeiten bieten. Sorry – eine konkrete Empfehlung für ein bestimmtes Tool habe ich nicht.

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