Trainingsdesigns und Programmformate von A bis Z

Verschiedenste Methoden-Sammlungen füllen die Regale von Seminarleitern, Dozierenden und Trainern. Selbst wenn sich in der eigenen Lehrpraxis die tatsächlich eingesetzten Methoden auf eher wenige Favoriten beschränken, bilden solche Sammlungen ein wichtiges konzeptionelles Reservoir. Wir verwenden mit methoden-kartothek.de ein online-gestütztes Medium, das nicht nur einzelne Seminarmethoden auflistet, sondern gleichzeitig in der Seminarplanung im Team mit anderen Kolleginnen und Kollegen gemeinsam genutzt werden kann.

Seit längerem bin ich auf der Suche nach analogen Sammlungen für didaktische Grundmuster von Bildungsveranstaltungen oder Trainingsdesigns. Mein Interesse teile ich hier mit der Aufgabe von so manchen Bildungsreferenten und Programmplanern, wenn diese für ein neues Bildungsangebot (z.B. Jahresprogramm, Personalentwicklung-Projekt) eine innovative Bandbreite unterschiedlicher Bildungsformate suchen. Es geht hier also nicht um die Frage, welche methodischen Varianten in einer Veranstaltung möglich sind, sondern welche unterschiedlichen grundsätzlichen Formen für eine Lehr- bzw. Lern-Setting denkbar wären.

Bestärkt in dieser Suche hatten mich kürzlich ein Blogbeitrag bzw. ein Buch-Artikel von Daniela Schuchmann und Sabine Seufert. Sie beobachten, dass in der betrieblichen Bildungsarbeit trotz aller postulierten Programmatik zu stärkerem informellem Lernen nach wie vor die formal organisierten Bildungsmaßnahmen domineren. Weiterbildung, Personalentwicklung werden einseitig auf Seminare und Trainings verkürzt gedacht. Ihr Aufruf zu „neuen Wegen aus der Kürsli-Denke“ deckt sich mit meinem Anliegen: Wie schaffen wir es die Monokultur der Bildungsangebote aufzubrechen und eine größere Diversität bei Programmen und Trainings zu etablieren?

Eine Strategie könnte darin bestehen, neue Angebotsformate aus Seminarmethoden (Aktionsformen) abzuleiten und als eigenständiges Programmformat zu gestalten. Beispielsweise ist die Methode „Vortrag“ zur Wissensvermittlung innerhalb von Seminaren weithin bekannt. Das Grundprinzip dieser Aktionsform, neue Inhalte oder Sichtweisen zu einem Thema zwischen einem Fachexperten und einem interessierten Plenum in vertraulicher Atmosphäre auszutauschen, bietet kreative Möglichkeiten für ein neues Bildungsangebot: In der letzten Ergänzungslieferung für methoden-kartothek.de hatte ich die Methode „Kamingespräch“ entsprechend beschrieben. Diese Aktionsform kann als methodische Variante innerhalb einer Veranstaltung eingeplant, und eben auch als attraktives eigenständiges Bildungsangebot organisiert werden. Die inhaltlichen Ausführungen eines Experten oder Expertin stehen im Mittelpunkt und bestimmen maßgeblich das didaktische Setting, die Gruppendynamik, die Interaktion zwischen dem Vortragenden (Lehrenden) und dem Publikum (Lernenden). Gleichzeitig bietet ein solcher Kaminabend die Chance, Inhalte nicht nur im geschlossenen Seminarraum sondern auch in der Öffentlichkeit oder mit bestimmten gesellschaftlichen Gruppen zu thematisieren.

Das Beispiel zeigt: In der spezifischen Charakteristik einer Seminarmethode steckt interessantes Potenzial, daraus auch eigenständige Programmformate zu entwickeln. In der folgenden Liste „Trainingsdesigns und Programmformate von A bis Z“ habe ich weitere Programmformate alphabetisch sortiert, die jenseits von Kursen und Seminaren liegen.

Ich freue mich auf Ihre Anregungen und Hinweise, die Auflistung fortzuführen!


A bis ZVarianten für Bildungsformate und Trainingsdesigns von A bis Z

 

Assessment-Center, Prüfung, Zertifizierung

Beratung, Begleitung durch Coaching, Mentoring, Supervision

Community Learning: Experten-Hearing, Podiumsdiskussion, Kamingespräch

Differenzierter Unterricht, Selbstlernmaterialien, Studienbrief

Erlebnispädagogische Angebote, Outdoor-Training, Sport

Filmbesprechung, Fremdsprachenkino

Gestaltete Lernumgebung: Selbstlernzentrum, Parcours, Lehrpfad, Ausstellung

Hausaufgabenbetreuung, Individualunterricht

Inhouse-Schulung, arbeitsintegrierte Lernangebote

Juniorenfirma, Projekt, Praktikum

Konferenz, Symposium, Barcamp

Lernfest, Tag der Dozenten, Elternabend, Ehemaligen-Treffen

Moderation, Mediation, Konfliktgespräch

Nachbereitung, Transfer-Workshop

Online-Lernen, E-Learning, Webinare

Planspiel, Probe, Simulation

Qualitätszirkel, Erfahrungsaustausch, Fallarbeit

Reflexion, Lerntagebuch, Meditation

Studienreise, Exkursion, Erkundung

Tandem-Lernen, Kollegiale Beratung, Lernpartnerschaften

Unterweisung, Übung, Vertiefung

Vortrag, Lesung, Vorlesung

Wettbewerb, Spiel, Game based Learning

X

Y

Zukunftswerkstatt, Zukunftskonferenz, Open Space, World Cafe

 

Ulrich Iberer

Ulrich Iberer

Der Medienexperte studierte Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Betriebliche Bildung an der Universität Eichstätt-Ingolstadt und promovierte zum Thema “Bildungsmanagement von Blended Learning”. Aktuell forscht und lehrt Ulrich Iberer an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg in den Fächern Bildungsmanagement und Erwachsenenbildung. Er hat ein besonderes Faible für das Re-Design “klassischer” Seminarmethoden und setzt beim Blended Learning auf “einfache Mittel”. Bei methodium wirkt Ulrich Iberer bei der Weiterentwicklung von methoden-kartothek.de und E-Learning-Projekten mit.

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