Schlaflos in Kairo

Um 4:15 ruft der Muezzin zum Gebet. Weit schalt es über die Stadt, und die Fenster des Hotelzimmers scheinen keine Barriere zu sein. Es klingt, als stünde er im Zimmer. Es ist unsere dritte Nacht in Kairo, und allmählich baut sich ein kräftiges Schlafdefizit auf. Die Zeit zwischen 1:00 Uhr, wenn das Hupkonzert in der Straße allmählich abebbt, und dem Ruf zum Morgengebet, ist einfach zu kurz…

Wir sind im Einsatz im Rahmen des Masterstudienganges International Education Management, den die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg gemeinsam mit der Helwan University in Kairo anbietet. 3 Tage „Curriculum Development and Learning Process Management“. 20 TeilnehmerInnen, die in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind, 10 aus Deutschland, 10 aus arabischen Ländern. Es ist unser zweiter Einsatz, im April 2013 lehrten wir das Modul schon einmal.

Auch dieses Jahr war es wieder eine spannende und inspirierende Erfahrung, bei der wir selbst jede Menge dazulernten!

Training mit Schlafdefizit

Wir waren ja auf alles Mögliche eingestellt, rechneten mit Herausforderungen beim Zeitmanagement (unerwarteter hoher Besuch, kulturbedingtes unterschiedliches Zeitverständnis) oder beim Methodeneinsatz. So bunt wie unsere Erwartungen waren dann auch die Überraschungen: es kommt immer anders, als man denkt… Trotzdem: Es lief alles weitgehend reibungslos, wir wuchsen mit der Gruppe zusammen und hatten spannende Projektpräsentation am dritten Tag. Die tatsächlich größte Herausforderung war es, bei zunehmendem Schlafdefizit wacker durchzuhalten. Auch eine Trainer-Qualifikation!

Energizer im interkulturellen Einsatz

Auch in dieser Veranstaltung haben wir mit Energizern gearbeitet. Als kleines Schmankerl hatte ich einen bayerischen Kreistanz (mit Partnerwechsel) mitgebracht, der sehr viel Spaß gemacht hat! Eine arabische Teilnehmerin hat sich allerdings nach kurzer Zeit ausgeklinkt. Im Nachfeld hat sie mir eine e-mail geschrieben, die ich in Auszügen hier wiedergebe:

„It was my pleasure meeting you over the last three days in Cairo. I really enjoyed & learned a lot while having fun within the group.  … I have only one comment regarding the energizer you used on the second day. I really appreciate the idea of physical movement & the use of joyful music as a refreshment tool. However, personally I felt uncomfortable while starting the group Bavarian dance. According to my religion & culture, direct physical contact between different gender is not acceptable, so I preferred to quit & to just watch & record the dance. In fact, I think it was so funny & I shared it with my family but I simply couldn’t participate & I’m really fine with that!
My suggestion for the next Seminar, is to just explain the dance movements beforehand & advising whoever finds it inconvenient either to just watch or to be a male partner (if she is a woman) so that the possibility of gender mix will not probably occur.“

Medieneinsatz

Medien_1Unsere Partner von Helwan habe alles erdenkliche unternommen, die Medienausstattung bereit zustellen, die wir brauchen. Da Pinwände in Ägypten schwer erhältlich sind, wurden diese als Sonderanfertigung bestellt! Auch Moderationsmaterial war wie gwünscht vorhanden. Zur Sicherheit hatten wir noch unsere kleinen „Beauty-Cases“ dabei, über die Mirjam Soland hier schon einmal geschrieben hat: www.methodium.de/ein-beauty-case-fuer-die-moderation/

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Bewegliche Arbeitsformen – unbewegliches MobiliarKlassenraum_Kairo

In unserem Lehrsaal hatten wir hervorragende Bedingungen: bewegliche Tische, eine frei Fläche im hinteren Teil des Saales, Wände mit Pin- und Whiteboards usw. So konnten wir arbeiten, wie wir es geplant hatten: mit wechselnden Sozialformen, mit beweglichen Arbeitsformen… Doch ein Blick in die  Klassenzimmer der Schule, die in unmittelbarer Nachbarschaft angesiedelt war zeigte uns, wie es wahrscheinlich in vielen Bildungseinrichtungen aussieht: Eine feste Bestuhlung mit Schulbänken „in Reih und Glied“, die Bänke und Tische fest mit dem Boden verschraubt. Das ist selbst für einfachste Formen der Gruppenarbeit schon eine Herausforderung.

„Cairo – the sleepless City“

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Ich hatte ursprünglich überlegt, den Beitrag „Sleepless in Cairo“ zu nennen, da unsere Unterrichtssprache Englisch war. Nur zum Spaß habe ich das mal bei Google eingegeben – und siehe da: 405.000 Treffer! So erfuhr ich, dass auch Kairo den Beinamen „The sleepless City“ führt. Wir sind also nicht allein…

Ulrich Müller

Ulrich Müller

Ulrich Müller studierte Erziehungswissenschaften an den Universitäten Augsburg und Eichstätt und ist seit 1984 als Berater, Trainer und Coach in der Weiterbildung tätig. Seit 2003 lehrt er Bildungsmanagement an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, wo er das Institut für Bildungsmanagement und den gleichnamigen Masterstudiengang Bildungsmanagement aufbaute. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Didaktisches Design, Train-the-Trainer und Führungskräfte-entwicklung. Ulrich Müllers besondere Leidenschaft gilt der Entwicklung von inspirierenden und aktivierenden Lernumgebungen: „Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln“ (Erich Kästner).

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