Wenn’s draußen kalt wird, in den Straßen die Lichterketten und geschmückten Bäume adventliche Stimmung verbreiten, dann ist nicht nur Weihnachten im Anflug, sondern auch eine ausgesprochen intensive (Weiter-)Bildungsphase im Jahresverlauf. Kurz vor Jahresende werden nochmals zahlreiche Seminare organisiert, Lerneinheiten gewälzt und Prüfung geschriebenen. In den warm geheizten Unterrichtsräumen wird bis spät in die Nacht fleißig unterrichtet, trainiert, gelehrt und gelernt.

Bei Seminaren, in denen wir in den letzten Wochen im Einsatz waren, hatte uns der Ehrgeiz gepackt, die weihnachtliche Stimmung unmittelbar in den Veranstaltungsraum zu holen. Weniger in Form von Lebkuchen und Glühwein, die die Teilnehmer vermutlich eher abgelenkt hätten, sondern als gezielt gestaltete Lehr- und Lernformen. Und auch an anderen Orten sind wir besonderen Formen des Lehren und Lernens im Weihnachts-Modus begegnet. Zwei Highlight von alledem wollen wir hier schildern: Seminarabfragen mit Schoko-Talern und die Weihnachts-Vorlesung.

Eine zuckersüße Wahl: Seminar-Abfragen mit Schoko-Talern

Abfrage via Schoko-Taler„Was erhoffen Sie sich im Seminar?“ – Viele Trainer nutzen Abfragen zu Beginn eines Seminars dafür, um die Teilnehmer schnell aktiv werden zu lassen und wichtige Informationen zu erhalten. In einem unserer Seminare hatten wir hierzu auf entsprechende „Kartenabfragen“ und „Blitzlichter“ verzichtet und stattdessen Schoko-Taler ausgeteilt. Mehrere Säckchen hiervon aus der Weihnachtsabteilung des Supermarktes, drei große Blumenvasen aus dem Geschenkeladen – fertig war das besondere Abfrage-Equipment. Die drei Vasen hatten wir mit je einer provokanten These beschildert. Bereits beim Eintritt in den Seminarraum, noch vor dem offiziellen Start, hatten die Teilnehmer die Aufgabe erhalten, einen Schoko-Taler in die Urne (Vase) entsprechend ihrer Position einzuwerfen. Am Ende des Tages wurde dann das Ergebnis der Abstimmung eindrucksvoll gelüftet, indem jede Urne vor den Augen aller ausgeschüttet wurde. Die unterschiedlich großen Häufchen an Schoko-Talern zeigten sehr anschaulich die Meinungslage im Plenum.

Über den aktuellen, jahreszeitlichen Bezug durch die weihnachtlichen Schoko-Taler konnten wir die Aufmerksamkeit der Teilnehmer schnell gewinnen. Mit dem „Taler“ hatten sie zudem nicht irgendein Medium in der Hand. Das goldene runde Etwas verhalf zu einem Gefühl von etwas Wichtigen, Werthaltigen, Persönlichen, das man von sich gibt. Und auch der schokoladige Inhalt erzeugte eine gewisse Wertschätzung – so mancher Teilnehmer hätte den Taler auch gleich lieber verspeist :)

Der Klassiker: Die „Weihnachtsvorlesung“

Krach, Puff, Peng: Ein echtes Highlight im Jahr stellt vor allem in naturwissenschaftlichen Studiengängen die traditionelle „Weihnachtsvorlesung“ dar. In der letzten Sitzung vor der Weihnachtspause werden die Inhalte bewusst mit allerlei Überraschungen, Skurilem und bisweilen auch nicht ganz so ernst Gemeintem garniert. Es kommen gezielt solche Experimente zum Einsatz, wo’s ausgesprochen laut, schrill und eindrucksvoll zur Sache geht, blitzt, kracht und stinkt. Diese Veranstaltungen sind inzwischen so populär geworden, dass kaum ein Studierender sie verpassen möchte und die Dozierenden ihrerseits hochmotiviert sind, eine fachlich und didaktisch besonders ausgearbeitete Einheit zu präsentieren.

Weihnachtsvortrag von SpannagelGewiss sind diese Vorlesungen auch Marketing-Shows für die Hochschule oder eine Variante der akademischen Weihnachtsfeier. Allerdings bleibt der Anspruch bestimmend, tatsächlich relevante Inhalte zu vermitteln und wesentliche Aussagen korrekt wiederzugeben. Die Weihnachtsvorlesung wird damit zu einer echten Methode; wir kennen ähnliche Veranstaltungen auch aus der innerbetrieblichen Qualifizierungsprojekten. In didaktischer Hinsicht vermögen Weihnachtsvorlesungen es sehr geschickt, für mitunter eher „trockene“ oder unbeliebte Themen positive Emotionen zu wecken und Lust an der vertieften inhaltlichen Lernarbeit zu wecken. Manche dieser Weihnachtsvorlesungen werden auch im Internet veröffentlicht. Wir verweisen hier beispielhaft auf die Weihnachtsvorlesung von Prof. Christian Spannagel, die er kürzlich an der Universität Würzburg zelebriert hat (Lasst uns froh und munter sein – der mathematische Beweis, dass Forschen Spaß macht“ (hier die Video-Aufzeichnung). Seine Weihnachtsvorlesung ist auch deshalb (und auch für mathematische Laien) sehenswert, weil er darin in kurzweiliger Form von seinen methodischen Lehr- Lernexperimenten berichtet.

Was können wir aus „Schoko-Talern“ und „Weihnachts-Vorlesungen“ lernen? Viele, zunächst scheinbar belanglose Gegenstände des Alltags, können mit etwas Kreativität im Seminar- und Unterrichtskontext eine überaus innovative didaktische Wirkung entfalten. In diesem Sinne werden wir auch im kommenden Jahr in diesem Blog von Innovationen zur Trainingsdesigns und Seminarplanungen berichten. Bleiben Sie uns treu.

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in das neue Jahr 2014!

Michaela Gerds, Ulrich Iberer und das gesamte Team von methodium

Frohe Weihnachten!

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