„Grundrechte von Teilnehmern – Pflichten der Vortragenden“ – eine Übung für Präsentationstrainings

Ein Bekannter sprach mich kürzlich an: „Vielleicht hast du einen Tipp für mich? Ich suche für eine Einführungsveranstaltung von Erstsemestern eine Idee, wie ich denen das Thema „Präsentieren“ nahe bringen kann. Wir wollen das ganz bewusst schon am Anfang des Studiums thematisieren, denn die sollen sich Gedanken darüber machen, wie sie Referate lebendig ausgestalten. Hast du da eine geeignete Übung zur Hand?“

 

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Die Ausgangs-Mindmap…

Habe ich! Denn vergleichbare Veranstaltungen führe ich ja auch durch – wenn auch nicht mehr mit Erstsemestern. Und das Thema „Präsentationstechnik“ findet sich ja schließlich an vielen Stellen wieder:

  • … wenn sich angehende Trainer mit ihrer Wirkung auf Gruppen befassen.
  • … bei Führungskräften und Projektmanagern, die der Frage nachgehen wie man Mitarbeiter in Meetings besser erreichen kann
  • … und natürlich bei vielen anderen Seminarthemen die irgendwie etwas Rhetorik/Gesprächsführung und Präsentieren zu tun haben

Mein gern verwendeter Einstieg in das Thema „Präsentieren“ sind die „Grundrechte der Zuhörer“ bzw. die „Pflichten eines Redners“.

So gehe ich vor:

  • Die erste Sequenz erfolgt in Einzelarbeit und wird von mir in der Regel so anmoderiert: „Für fast alles gibt es Regelkataloge. Ein besonders hochwertiger und bedeutsamer „Regelkatalog“ ist zum Beispiel die UN-Menschenrechtscharta. Wäre es nicht schön, wenn es eine solche „Charta“ auch für Vorträge und Präsentationen geben würde? Also „Präsentations-Grundrechte“, auf die man sich als Zuhörer berufen kann? Denn bestimmt fallen Ihnen auch Präsentationen ein, die man als „Verbrechen am Zuhörer“ bezeichnen kann… . Was ist in Ihren Augen ein „Grundrecht“ als Zuhörer in einem Vortrag/einer Präsentation“, wo haben Vortragende und Redner „Pflichten“?“
  • Die Teilnehmer erhalten auf dann einem DIN A4 Blatt eine Mindmap mit wenigen, vorbeschrifteten Ästen. „Ergänzen Sie auf der Mindmap, was Ihnen wichtig ist! Überlegen Sie für sich, was zum Beispiel das Thema „Respekt“ für Sie bedeutet. Wie lässt sich ganz konkret erkennen, dass beispielsweise das Thema „Zeitmanagement“ durch den Redner ernst genommen wird?
  • Nach einiger Zeit bitte ich nun die Teilnehmer darum sich mit dem Sitznachbarn in Partnerarbeit auszutauschen, sich gegenseitig die besonders bedeutsamen Punkte zu erläutern. Manchmal lasse ich ein gemeinsames Mindmap erstellen (auf DIN A3).
  • Im nächsten Schritt gehen jeweils zwei Zweierteams zu einer Vierergruppe zusammen und erstellen ein gemeinsames Mindmap an einer Pinnwand.
  • Abgeschlossen wird die Übung durch eine Vorstellung der Ergebnisse. Nach jedem Aspekt (=Mindmap-Ast) fährt eine andere Gruppe mit der Vorstellung fort.

Diese Übung ist ein toller Einstieg und hat viele Vorteile:

  • Das Thema wird vielschichtig diskutiert und greift ganz konkret auf Erfahrungen der Teilnehmer zurück..
  • Die Gruppenmitglieder sind aktiv und können sich untereinander austauschen und besser kennen lernen.
  • Als „Nebenprodukt“ wird die Mindmap-Methode eingeführt, Visualisierungstechnik mit Stift und Papier lässt sich thematisieren/üben und es entsteht der erste konkrete Präsentationsanlass.
  • Die so formulierten Regeln und gegenseitigen Erwartungen haben in der Regel guten Bestand. Ich habe es erlebt, dass die in dieser Übung erstellten Mindmaps noch lange in den Räumen hängen blieben.

Viel Erfolg beim Ausprobieren!

Jan-Torsten Kohrs

Jan-Torsten Kohrs

Seit 1999 sammelt Jan-Torsten Kohrs Erfahrung in vielfältigen Weiterbildungsprojekten – in der Industrie, bei Banken und an Hochschulen. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Projekt-/Changemanagement und Soft Skills. Die besondere Leidenschaft gilt der Aus- und Weiterbildung von Trainern und der Workshop-Moderation.

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