Das kleine Trainer-1×1: Arbeitsaufträge formulieren

Ein "schlechter"Arbeitsauftrag„Seminare und Workshops gestalten sich oft schwierig, weil der Seminarleiter Dinge schwierig gestaltet.“ Diese Aussage treffe ich in immer wieder in meinen Train-the-Trainer-Seminaren, denn häufig lassen sich Störungen, Irritationen und Schwierigkeiten auf das Verhalten des Vortragenden zurückführen. Zum „Kleinen 1×1 für Seminarleiter“ gehört die angemessene Formulierung von Arbeitsaufträgen. Obwohl es sich dabei um didaktisches Grund-Werkzeug handelt, wird der Einfluss von Arbeitsaufträgen auf den Erfolg der anschließenden Arbeitsphase aber kaum reflektiert.

Mein Tipp: Hinterfragen Sie, ob Sie die nachfolgenden Punkte bei Ihren Arbeitsaufträgen berücksichtigen.

  • Aufgabenstellung ist zu vielschrittig
    Gerade wenn man in einem Arbeitsauftrag viele Schritte verkettet braucht man sich nicht zu wundern, wenn man die Teilnehmer abhängt.
    Tipp: lange Kettenarbeitsaufträge vermeiden
  • Keine ausreichende Ruhe
    Wenn Unruhe herrscht reagieren Trainer häufig mit einer Änderung der Methodik. Dies geht meistens auch mit einem Arbeitsauftrag einher. Wenn die Gruppe aber nicht fokussiert wird, dann wird dieser u.U. nicht von allen verstanden
    Tipp: Die Gruppe fokussieren (z.B. Glocke, ans Glas klopfen, o.ä.) und erst wenn alle bereit sind den Arbeitsauftrag aussprechen
  • Vermischung von Organisation und Inhalt
    Die Komplexität von Arbeitsaufträgen wird durch die Vermischung von Organisation („Finden Sie sich in Dreiergruppen zusammen.“) und inhaltlicher Fragestellung („Sammeln Sie Aspekte zu… .“) oft unnötig gesteigert.
    Tipp: Trennen Sie diese Anteile des Arbeitsauftrag klar. Klären Sie erst das eine, dann das andere.
  • Nur mündlich ausgesprochener Arbeitsauftrag
    Das lediglich mündlich ausgesprochene Arbeitsaufträge schief gehen können liegt eigentlich auf der Hand, oder?
    Tipp: Visualisieren Sie die Arbeitsaufträge immer, z.B. in ausgedruckter Form oder am Flipchart.
  • Verständnis wird nicht sichergestellt
    Wenn der Arbeitsauftrag mit einem „alles klar?“ abgeschlossen wird, dann wird man in der Regel viel Kopfnicken ernten. Sicher gehen, dass nun wirklich alles klar ist darf man aber nicht.
    Tipp: Lassen Sie den Arbeitsauftrag wiederholen. Fragen Sie mit OFFENEN Fragen nach („Was soll nun in Ihrer Gruppe passieren?“)
  • Keine klare Zeitvorgabe
    Häufig wird lediglich eine schwammige Zeitvorgabe gemacht. Gerade bei Partner- oder Gruppenarbeiten erschwert man das gemeinsame Weiterarbeiten wenn keine klare Zielzeit vereinbart wird.
    Tipp: Vermeiden Sie die Angabe von Zeitfenstern („wir treffen uns uns in 15 – 20 Minuten wieder“), sondern vereinbaren Sie eine Zielzeit („Die Uhr hier im Seminarraum zeigt gerade 14.15 Uhr. Wir treffen uns wieder, wenn diese Uhr 14.35 zeigt!“). Wenn Gruppen außerhalb des Seminarraums arbeiten, dann geben Sie Küchentimer mit oder lassen Sie ein Gruppenmitglied einen Countdown im Smartphone einstellen.

Weitere Fehlerquellen oder Tipps? Ich freue mich über Ihre Kommentare!

 

 

Jan-Torsten Kohrs

Jan-Torsten Kohrs

Seit 1999 sammelt Jan-Torsten Kohrs Erfahrung in vielfältigen Weiterbildungsprojekten – in der Industrie, bei Banken und an Hochschulen. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Projekt-/Changemanagement und Soft Skills. Die besondere Leidenschaft gilt der Aus- und Weiterbildung von Trainern und der Workshop-Moderation.

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